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Vodnjan in Istrien: Altstadt, Kirchen und Kažuni

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Vodnjan liegt im Südwesten Istriens nördlich von Pula und im Hinterland von Fažana. Der historische Stadtkern verbindet gotische, Renaissance- und Barockbauten mit dem weithin sichtbaren Turm der Pfarrkirche St. Blasius. Im Umland prägen Trockenmauern, Olivenhaine und steinerne Feldhütten, die Kažuni, die Kulturlandschaft. So führt ein Besuch von den engen Straßen der Stadt hinaus in eine ländliche Region mit eigener Bau- und Alltagsgeschichte.

Kurzfakten zu Vodnjan

  • Die Pfarrkirche St. Blasius ist mit 56,2 mal 31,6 Metern die größte Pfarrkirche Istriens.
  • Der Glockenturm ist 62 Meter hoch; sein Bau dauerte von 1815 bis 1882.
  • Die Sakralsammlung der Kirche umfasst 730 Objekte aus dem 5. bis 19. Jahrhundert.
  • Der Bettica-Palast aus dem 14. Jahrhundert beherbergt das Stadtmuseum.
  • Im Gebiet um Vodnjan stehen mehr als 3.000 Kažuni, traditionelle Trockenstein-Feldhütten.
  • Der Rundkurs 327 „Kažuni und Trockenmauern“ ist 16,31 Kilometer lang.

Altstadt zwischen Gotik, Renaissance und Barock

Vodnjan war ein wichtiges städtisches Zentrum im Südwesten der Halbinsel. Beim Rundgang durch den alten Stadtkern begegnen sich Bauformen aus mehreren Jahrhunderten: gotische Details an älteren Häusern, Renaissancefassaden und barocke Elemente stehen in den schmalen Straßen nahe beieinander. Der Bettica-Palast, auch „Kaštel“ genannt, geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Die Familie Bettica erwarb den Palast später; heute ist darin das Stadtmuseum untergebracht.

Im historischen Kern finden sich außerdem Wandmalereien an Fassaden. Viele liegen versteckt in Gassen oder an kleinen Plätzen; sie entstanden im Rahmen der Festivals Boombarstick und Street Art. Damit verbindet Vodnjan das ältere steinerne Stadtbild mit zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum.

St. Blasius: Kirche, Turm und Sakralsammlung

Die Pfarrkirche des heiligen Blasius steht an der Stelle einer älteren romanischen Basilika, die 1760 abgerissen wurde. Der Bau der heutigen dreischiffigen Kirche begann 1761. Sie besitzt ein Querschiff, einen Chor und eine halbrunde Apsis; das Vorbild war die Kirche St. Peter in Castello in Venedig. Geweiht wurde das Gotteshaus 1808, obwohl die Bauarbeiten damals noch nicht abgeschlossen waren. Der Grundriss misst 56,2 mal 31,6 Meter, die Kuppel ist 25 Meter hoch.

Die Fassade im neobarocken Stil wird von fünf Heiligenfiguren geschmückt: Blasius, Petrus und Laurentius auf der einen, Paulus und Quirinus auf der anderen Seite. Im Inneren gliedern Arkaden den barocken Raum; neun Altäre aus dem 19. und 20. Jahrhundert zeigen Marmorarbeiten und Heiligenbilder. Der freistehende Glockenturm wurde nach einem Entwurf des Triester Architekten Antonio Porta errichtet. Der Bau begann 1815 und wurde erst 1882 vollendet. Seine Höhe von 62 Metern macht ihn zu einem markanten Orientierungspunkt über den Dächern.

Zur Kirche gehört eine umfangreiche Sammlung sakraler Kunst. Sie umfasst 730 Objekte, darunter Gemälde, Skulpturen, Reliquiare, Bücher, Manuskripte, Schmuck und liturgische Gewänder aus mehreren Jahrhunderten. Zu den Besonderheiten zählen die sogenannten corpi sancti, die mumifizierten Körper und Körperteile von Heiligen. Insgesamt verwahrt die Pfarrkirche 370 Reliquien und sterbliche Überreste von 250 Heiligen. Sie kamen 1818 aus Venedig nach Vodnjan; der venezianische Maler Gaetano Gretzler brachte sie mit, als er für die Ausstattung der neuen Kirche gewonnen wurde.

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Kažuni, Trockenmauern und ländliche Wege

Die Kažuni gehören zur historischen Agrarlandschaft rund um Vodnjan. Als Bauern und Hirten Felder für den Anbau vorbereiteten, räumten sie Steine aus dem Boden und verwendeten sie für niedrige Mauern und kleine Feldhütten. Die Kažuni boten Schutz vor Sonne und Regen, dienten zum Aufbewahren von Werkzeugen und konnten Menschen wie Vieh aufnehmen. In der Umgebung der Stadt sind mehr als 3.000 solcher Hütten erhalten.

Der Kažun-Park zeigt den Bau in vier Etappen – vom Fundament über Mauern und Dach bis zur fertigen Hütte. Er wurde 2012 eröffnet und macht eine regionale Trockenstein-Tradition anschaulich. Wer die Feldlandschaft zu Fuß oder mit dem Rad erleben möchte, findet mit dem Rundkurs 327 „Kažuni und Trockenmauern“ eine 16,31 Kilometer lange Schleife. Sie führt durch Olivenhaine und entlang von Trockenmauern; Stationen sind unter anderem die Basilika St. Foska aus dem 12. Jahrhundert, die Kirche St. Martin aus dem 14. Jahrhundert, die ungewöhnlich großen Kažuni und der Kažun-Park. Weitere Hinweise zur Radwege-Region Istrien geben Anregungen für längere Touren.

Vodnjan mit Pula, Fažana und regionaler Küche verbinden

Vodnjan lässt sich gut als Altstadt- und Kulturstopp mit einem Aufenthalt an der Küste verbinden. In Pula stehen römische Monumente und ein größerer Stadtrundgang im Mittelpunkt, während Fažana mit Hafen und Schiffsverbindungen zu den Brijuni-Inseln einen maritimen Akzent setzt. Der Nationalpark Brijuni ergänzt den Ausflug um Inselnatur und Kulturlandschaft.

Die Umgebung von Vodnjan ist außerdem von Olivenanbau und Wein geprägt. Die Olivenkultur Istriens und die Weingebiete gehören zur regionalen Esskultur. Für einen Aufenthalt abseits der Küste kann eine Unterkunft im Hinterland kurze Wege zu den alten Orten und Kažuni bieten; so lassen sich Stadtbesichtigung und ländliche Wege über mehrere Tage verteilen.

Häufige Fragen zu Vodnjan

Wann ist die Sakralsammlung zugänglich?

Von Juni bis September ist sie täglich von 9 bis 14 Uhr und von 15 bis 18 Uhr geöffnet; Gruppen werden nach Vereinbarung empfangen. Von Januar bis Mai sowie von Oktober bis Dezember erfolgt der Besuch nach vorheriger Ankündigung.

Wie sind Kažuni gebaut?

Sie bestehen aus übereinandergelegten Steinen ohne Mörtel. Viele sind rund und tragen ein kegelförmiges Dach, das aus nach innen überkragenden Steinlagen gebildet wird. Diese Bauweise kommt mit wenigen Bauteilen und dem Material aus den Feldern aus.